Man rät mir vom Kauf einer Indian Chief ab

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SvennyLand
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Man rät mir vom Kauf einer Indian Chief ab

Beitrag von SvennyLand » Sa 30. Nov 2019, 19:23

Moin moin,
bevor ich euch um euren Rat oder eure Meinung bitte, möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Sven und ich bin 51 Jahre alt. Ich lebe in der Nähe von Flensburg und habe mal Energieelektroniker gelernt.
Meine Schraubererfahrung ist eher gering. An meinem 21 Jahre alten Range Rover habe ich schon einiges selbst gemacht, aber immer mit Hilfe des Internets und mit Hilfe von Freunden. Meine größte Leistung am Auto war der Tausch des V8 und die Überholung der Bremsen. Ich hoffe, das reicht, um sich meine Schrauberfähigkeiten ein Stück weit vorstellen zu können.

Nun möchte ich langsam in Richtung Frage arbeiten :)
Als junger Bursche fand ich die Indian Chief schon schön. Gefahren bin ich BMW R45 (an der habe ich selbst geschraubt), R100GS und R1200RT. Letzten Sommer fand ich eine Anzeige bei mobile und fand die Indian sofort wieder wunderschön. Leider hatte ich das Gefühl, dass es sich um einen Betrugsversuch handelte. Der Kontakt bei einer 2. Maschine kam mir auch nicht ganz richtig vor. Nun möchte ich mir bald eine Indian Chief von 1947 ansehen.

Ein Bekannter, der selbst sehr viel an alten englischen Maschinen schraubt, rät mir dringend vom Kauf einer Indian ab, da meine Schraubererfahrungen so gering sind. Er vermutet, dass ich sehr oft Teile oder das ganze Motorrad weit weg bringen müsste, um sie reparieren zu lassen.

Was denkt ihr? Kann ein Kerl, der wenig Unterstützung von Bekannten beim Schrauben zu erwarten und
selbst wenig Erfahrung beim Schrauben hat, den Erhalt einer Indian Chief von 1947 meistern oder macht er sich eher unglücklich damit?

Im Moment tendiere ich dazu, ganz auf ein Mopped zu verzichten, wenn die Chief nichts für mich ist.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir bei der Entscheidungsfindung helfen würdet.

Wir sind uns vermutlich alle einig, dass eine Indian nicht als Staubfänger im Wohnzimmer stehen sollte ;-)

Vielen Dank und mit besten Grüßen

Sven

roadmaster50
Beiträge: 24
Registriert: Di 1. Feb 2011, 16:35

Re: Man rät mir vom Kauf einer Indian Chief ab

Beitrag von roadmaster50 » So 1. Dez 2019, 20:44

Meine Meinung dazu ist die Folgende:

Du hast ja schon Schraubererfahrung, wenn ich es richtig gelesen habe. Du weisst wie die Technik eines Verbrennungsmotors funktioniert, und kommst ja aus einem technischen Beruf. Du bist kein Motorrad Neuling, also sind das meiner Meinung nach gute Voraussetzungen sich mit einer alten Indian vertraut zu machen.

Ich würde mir eher die Frage stellen wie Du mit den der Bedienung einer alten Indian zurecht kommst wenn es ums Fahren geht. Bist Du bereit Dich auf eine Fusskupplung, Handschaltung, manuelle Zündverstellung und nicht zuletzt auch auf Linksgas einzulassen? Wenn ja, dann go for it.

Was die Wartung und den Unterhalt angeht gibt es gute Manuals die Erklärungen liefern. Und ausserdem findet sich im Internet in einschlägigen Foren immer jemanden, der Dir hilft oder wo du Informationen herbekommen kannst.

Die Ersatzteilversorgung für die letzten Chiefs der Jahre 1946 bis 1953 ist super, es gibt fast alles entweder online oder auf Teilemärkten zu kaufen. Also kann man sagen das die Ersatzteilversorgung mehr als gut ist.

Grüsse: roadmaster50

SvennyLand
Beiträge: 4
Registriert: Fr 29. Nov 2019, 20:54

Re: Man rät mir vom Kauf einer Indian Chief ab

Beitrag von SvennyLand » So 1. Dez 2019, 21:16

Vielen Dank für deine Einschätzung.
Ja, ich mache mir auch Gedanken, ob ich mich auf die völlig andere Bedienungsweise einlassen möchte.
Wie auch beim Range Rover versuche ich mir vorher Gedanken darüber zu machen.
Beste Grüße
Sven

Old Chief
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Re: Man rät mir vom Kauf einer Indian Chief ab

Beitrag von Old Chief » Di 3. Dez 2019, 12:13

Ich denke Du sollst es wagen. Ich habe eher weniger Schrauber Erfahrung als Du und habe es mit Hilfe von Freunden, den Clubmitgliedern und Literatur immer hingekriegt. Die Teileversorgung ist optimal, man kann sogar neue Motoren kaufen.
Was die Bedienung anbetrifft, lernt man es sehr schnell, was mich selbst überrascht hat. Wenn man ein bisschen übt, geht es bald automatisch.
Bei Mopeds wo die Fußbremse links sitzt und die Schaltung rechts ist es viel gewöhnungsbedürftiger und es besteht auch die Gefahr, dass man schaltet statt zu bremsen und dann kracht es auch schon.

Es gibt nichts schöneres als auf einer großen Indian entspannt im Schwingsattel zu sitzen und die Landschaft vorbeiziehen zu lassen.
Mach es! Du wirst es nicht bereuen.

Ich wünsche Dir jetzt schon viel Freude.
Grüße aus Ulm

Peter

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Hippi
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Re: Man rät mir vom Kauf einer Indian Chief ab

Beitrag von Hippi » Di 3. Dez 2019, 16:36

Hallo Sven,
Ich bin seit 30 Jahren dabei und habe das "fliegen[" (fahren beschreit es nicht annähernd) in kürzester Zeit verinnerlicht.
Obwohl ich im Zweitleben einen alten Einzylinder fahre, wo alles andersrum funktioniert.
Wer mit Linksgas nicht zurechtkommt, kann es natürlich auch einfach umbauen.
Wenn Du an einer Indian selber schrauben lernst,
wirst Du sie unterwegs auch meistens selbst wieder in Gang bekommen,
dann traut man sich auch bedenkenlos "on the road" und hat vielmehr Spaß.

Vom sofortigen Kauf, egal welcher Indian, würde ich Dir allerdings dringend abraten,
ich will ja glückliche Indianer am Lagerfeuer treffen!

meine ultimativer Tipp:
Komm in den Club (ist aber nicht Voraussetzung);
gehe auf die geilen Treffen, auch ohne Moppet sind positiv Verrückte immer willkommen;
Lerne die verschiedenen Modelle und deren sound und handling kennen;
trinke viel Bier an Lagerfeuern, mit Leuten die Du "noch" nicht kennst;
so kommt die reale Preisvorstellung ganz von selbst!
Ich garantiere Dir, dort wird deine Indian Dich finden, nicht umgekehrt!

Indianer ziehen sich nicht gegenseitig über den Tisch, man begegnet sich ja immer wieder,
bei "Indianscout24" oder so ähnlich wird deine Unwissenheit gnadenlos ausgenutzt.

schöne Grüße und bis bald am Lagerfeuer
Hippi
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SvennyLand
Beiträge: 4
Registriert: Fr 29. Nov 2019, 20:54

Re: Man rät mir vom Kauf einer Indian Chief ab

Beitrag von SvennyLand » Di 3. Dez 2019, 19:12

Hallo,
und vielen Dank, ihr macht mir echt Mut.
Derjenige, der mir hier abgeraten hat, hat mich heute auf eine Indian aufmerksam gemacht, die für mich nicht ganz so weit weg ist - ich wohne an der dänischen Grenze. Mir ist das Baujahr 1941 allerdings einen Ticken zu alt ;-)
Beste Grüße
Sven

Rafy
Beiträge: 156
Registriert: Mo 23. Nov 2009, 18:28

Re: Man rät mir vom Kauf einer Indian Chief ab

Beitrag von Rafy » Mi 4. Dez 2019, 20:46

Hallo Sven,

bei den Indian vor 1928 kann es bei einigen Teilen schwierig werden, wenn man sie im Originalzustand behalten will. Alle anderen können garnicht zu alt sein.
Ich habe ein 741 von 41 und eine Chief von 47. Beide haben mich gefunden und machen viel Spass.

Ansonsten kann ich nur der Empfehlung von Hippi folgen. Trete in den Club ein, zeig Dich auf möglichst vielen Treffen, erzähle, dass Du auf der Suche bist und halte die Ohren auf, ohne Dich auf ein spezielles Modell zu beschränken. Dann wird Dich Deine Indian finden.

Gruß

Rafy

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