Zündteufel

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Stefan
Beiträge: 16
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 21:35

Zündteufel

Beitrag von Stefan »

Hallo,
bei meiner 48er Chief hat irgendwie der Zündteufel :twisted: mächtig zugeschlagen!
Nach Abschluss der grundlegenden Revision und sorgenfreien 300km Ausfahrt in den letzten 6 Wochen hat sich folgendes Fehlerbild gezeigt:
Motor springt erstmal normal an, läuft ca. 30-40 sek und geht dann mit leicht abgewürgten Ton aus. Läßt sich dann auch nicht mehr spontan antreten. 10min warten, das selbe noch mal. Von mal zu mal wurden die Laufzeiten des Motors kürzer bis er jeweils seinen letzten Atemzug machte.
Mittlerweile startet die Chief nur noch nach 5 Stoßgebeten gen Himmel und läuft dann als wäre die Zündung total verstellt (stirbt bei Verdrehen in Richtung Spätzündung sofort ab). Der Motor geht dann sowieso nach kurzer Zeit aus.

Habe dann folgende Prüfungen durchgeführt:
- Kraftstoffzufuhr - ok (Schwimmernadel, Benzinfilter, Tankentlüftung, Benzinstand)
- Zündversteller - ok (Unterbrecherabstand, Zündzeitpunkt, Kontakte in Verteilerkappe)
- Zündkerzen - ok (habe die Indian C, bisher 300km sorgenfrei)
- Zündfunke – ist bei beiden Kerzen da, allerdings weiß ich nicht ob dieser ausreichend ist (Funke wie beim Feuerzeug erkennbar, leicht knackend hörbar)
- Kondensator – auf Verdacht getauscht, allerdings kann ich nicht sagen ob der neue auch funktioniert da ich die Maschine ja gar nicht mehr richtig anbekomme
- Zündspule (ältere Autolite) – nicht weiter geprüft, da die Zündfunkenprobe ja positiv war
- Zündkabel – äußerlich unbeschädigt, da positive Zündfunkenprobe nicht weiter geprüft
- Ventile – vor 300km eingestellt, habe ich jetzt nicht nochmals kontrolliert
- Vergaser – vor 300km eingestellt und nicht mehr verstellt, äußerlich keine Beschädigung oder Verstellung erkennbar. Drosselklappe dreht wie vorher auch relativ spielfrei.

Habe mich in den diversen Büchern und Literaturquellen schon eingelesen (unter anderem dem „Kupferwurm“) aber irgendwie komme ich da nicht weiter.

Hat jemand einen guten Rat, kennt jemand dieses Fehlerbild und weiß Abhilfe?
Bin für jeden Tipp dankbar.

Grüße
Stefan
Rafy
Beiträge: 165
Registriert: Mo 23. Nov 2009, 18:28

Re: Zündteufel

Beitrag von Rafy »

Hallo Stefan,

eine Zündspule kann auch mal einen innerern Kurzschluss haben und dieser kann dann auch noch von der Temperatur abhängen. Will sagen, es ist durchaus möglich, dass die Zündspule ein paar mal gut zündet, dabei warm wird und dann nicht mehr zündet. Tausche diese mal auf Verdacht aus.

Gruß

Rafy
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Ivica
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Registriert: Mi 25. Nov 2009, 00:11

Re: Zündteufel

Beitrag von Ivica »

Hallo Stefan,

hatte ich schon zweimal als Problem, einmal war die Ursache der Antrieb des Zündverteilers, da waren glaube ich damals Zähne ausgebrochen (kann sein daß meine Erinnerung da täuscht, aber die Ursache war definitiv der Antrieb dieses Teils)
Kürzlich selbes Problem wieder Ursache viel simpler die Feder auf dem Verteilerfinger die gegen den Graphitstift in der Kappe drückt war so haarfein angebrochen das es kaum zu sehen war. Finger getauscht, alles gut.

Fehlerbild war in beiden Fällen wie von Dir beschrieben, fing als nerviges kleine Problem an und endete mit nichts geht mehr. Einziger Unterschied bei dem defekten Antrieb bin ich von Kroatien bis Heidelberg gekommen auch wenn es bei jedem Stop immer länger dauerte bis der Motor lief und die zurückgelegte Strecke wurde immer kürzer...
Bei dem Verteilerfinger reichte es nur von Karlsruhe bis Heidelberg. Will sagen die Intervalle zwischen erstem Auftreten des Problems und dem finalen nicht mehr Anspringen waren im zweiten Fall viel kürzer.

Gruß Ivica
Stefan
Beiträge: 16
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 21:35

Re: Zündteufel

Beitrag von Stefan »

Hallo Ihr beiden,

vielen Dank für die umfassende und schnelle Rückmeldung.
Momentan sehe ich die Zündspule als den „Hauptverdächtigen“. Da die Zündspule im Testbetrieb keinen Totalausfall zeigt kann ich nur über Austausch den Fehler nachweisen. Da ich keine Ersatzspule vorrätig habe werde ich in den nächsten Tagen mir eine (geprüft funktionsfähige) Zündspule ausleihen und mal bei mir testen.
Gibt es übrigens dazu Empfehlungen wer gute 6V Zündspulen liefert?

Den Verteilerfinger habe ich auch nochmals geprüft, der ist aber sicher in Ordnung.
Den Antrieb für die Verteilerwelle kann ich äußerlich nicht prüfen, aber den Fall ausgebrochener Antriebszähne halte ich bei mir für eher unwahrscheinlich, da dann das Fehlerbild keine „schleichende“ sondern eher eine schlagartige und konstante Erscheinung zeigen würde.

Allerdings habe ich bei meinen Einstellarbeiten festgestellt, dass ich in der Kette der Einzelkomponenten des Zündverstellersystems (mechanische Toleranzen innerhalb Verteilerfinger, Nockenaussparungen, Nut für Verteilerwelle) relativ große mechanische Toleranzen habe. Ich kann den Verteilerfinger ohne Rotation der Kurbelwelle bestimmt zwischen 10-15° hin- und her drehen. Optisch gesehen lässt sich bei den Teilen kein Verschleiß feststellen.

Die Nut am Antrieb, in die die Verteilerwelle eingreift kann ich nicht ohne größere Demontagearbeiten prüfen. Ich habe deshalb die mechanischen Zündeinstellungen ursprünglich so vorgenommen, dass die Massenträgheitsmomente in der Rotation berücksichtigt werden. Mit diesen Einstellungen hat bis jetzt alles gut funktioniert. Diese Einstellungen habe ich natürlich nochmals nachgeprüft und diese haben sich auch nicht verändert.

Aber interessant wäre für mich natürlich schon, welche mechanischen Toleranzen bauartbedingt normal bzw. zulässig sind und wo der Bereich anfängt bei dem man über Nachbesserung, Austausch oder Reparatur nachdenken muss. Hat jemand dazu Erfahrungen oder vielleicht sogar Datenblätter mit Toleranzangaben?

Beste Grüße
Stefan
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101.rainer
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Re: Zündteufel

Beitrag von 101.rainer »

Hi Stefan,

ich würde dem Tip von Rafy folgen und die Zündspule tauschen.
Aufgrund der anliegenden Hochspannungen von bis zu 10 kV alteren die Isolation von ganz alleine. Mal früher mal später bekommt die Isolation Risse und der Funke nimmt eine abkürzung . Hochspannungsausgang und dann direkt gegen Masse.
Das blöde daran die Überschläge siehts du nicht, die geschehen in der Zündspüle.
Am besten werden solche Spulen auf einem Prüfstand getestet.

Hab früher mit eine Bosch aus einem Käfer ganz gute Erfahrungen.

Gruß
Rainer

P.s. Während der 30-40 sec wo der Motor läuft, nimmt der Motor denn eigentlich normal Gas an ??
Stefan
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Registriert: Mo 19. Jul 2010, 21:35

Re: Zündteufel

Beitrag von Stefan »

Hallo Rainer,

ich habe mittlerweile die alte Autolite Zündspule rausgeschmissen und gegen eine neue BOSCH 6V Zündspule getauscht. Dann nochmals die gesamte Zündanlage samt Einstellung gecheckt und um auf Nummer sicher zu gehen auch nochmals den Vergaser gereinigt und durchgeblasen. Ich war mir schon sehr siegessicher dass es jetzt funktionieren muss. Bis auf die alte Zündspule habe ich ja bei meiner Revision im vergangenen Winter alle Komponenten des Zündsystems erneuert.

Der Start ist auch gelungen, allerdings mit unrundem Lauf aber dafür konnte ich die Drehzahl halten. Es kam eine Menge Rauch aus dem Auspuff und die Auspuffabgase sahen ungesund weiß/grau aus. Nach relativ kurzer Zeit sah ich dann, dass am vorderen Krümmerausgang im Verbrennungstakt sporadisch Rauchwolken rauspufften und dass auch Öl raus kam. Ich habe dann den Motor natürlich gleich wieder ausgemacht.

Danach habe ich die Zündkerzen rausgeschraubt und siehe da, die vordere war total nass und ölig sowie nur lau warm (wie auch der Zylinder selbst). Die hintere war sehr heiß und auch nicht ölig.
Dass die Zündkerzen immer naß und ölig waren habe ich vorher immer darauf geschoben dass die Zündanlage irgendwo einen Defekt hat und deshalb kein Zündfunke kommt. In Folge dessen dann natürlich auch die Kerze nass ist.

Jetzt stellt sich die Sache für mich anders dar. Ich vermute dass die Ventilführungen oder die Kolbenringe soviel Öl nach oben pumpen, dass die Kerze so richtig vollgespritzt wird und damit sich kein anständiger Zündfunke ausbilden kann.

Das heißt für mich Zylinder runter und die „Innereien“ prüfen und reparieren. Ich hoffe, dass nicht noch mehr unerwartete Schäden auftauchen. Bei der Gelegenheit werde ich auch gleich meinen 2.Gang reparieren müssen.

Für mich ist jetzt die Saison leider beendet, aber ich wünsche Dir und allen anderen Indian-Fahrern noch ein paar schöne und entspannte Ausritte im sonnigen Herbst.

Gruß
Stefan
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Pandit
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Re: Zündteufel

Beitrag von Pandit »

Hallo Stefan
Wie sieht es mit der Kurbelgehäuseentlüftung und dem Ölabzug aus dem Gehäuse aus? Wenn da was nicht in Orgnung ist, drückt es doch auch das Öl oben raus, oder? Bevor die Zylinder runter kommen, würde ich sicherstellen, dass die genannten Dinge in Ordnung sind.

Viel Glück und Gruss
Roland
Stefan
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Re: Zündteufel

Beitrag von Stefan »

Hallo Pandit,
danke für Deinen Hinweis. Könnte natürlich auch noch eine Möglichkeit sein, die ich bisher noch nicht so stark im Fokus hatte. Gibt es da einen Tipp wie man die beiden Fehlermöglichkeiten am effektivsten abprüft? Ich möchte mich am kommenden WE nochmals darüber machen!

Gruß
Stefan
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101.rainer
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Re: Zündteufel

Beitrag von 101.rainer »

Hi Stefan,

Ich denke du hast auf dem vorderen Zylinder keine Kompression.

Prüfe noch als erstes das Ventilspiel nach Vorgaben. Dann muss der vordere Zylinder eine gescheite Kompression habe. Ist das nicht der Fall, zuerst den vorderen Zylinderkopf runter und die Ventile und Ventilsitze prüfen. Manchmal hängt auch ein Ventil und schließt nicht richtig.
Dann die Laufbahn der Zylinder auf Laufspuren checken. Wenn hier was zu sehen ist sind die Kolbenringe oder der Ölabstreifring gebrochen/defekt.
Alle Fehler zeigen i.R dein oben beschriebenes Fehlerbild.

Gruß
Rainer
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Pandit
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Re: Zündteufel

Beitrag von Pandit »

Wenn vorn keine Kompression ist, hat das natürlich nichts mit der Ölabsaugung zu tun, hab ich wohl übersehen.

Gruss Roland
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